Interview mit Elena Ferrante zum Abschluss der Neapolitanischen Saga

Pünktlich zum Erscheinen des vierten Bandes der Neapel-Tetralogie ist im französischen Magazin »L’Obs« ein Interview mit Elena Ferrante erschienen. Darin gibt sie – wie gewohnt auf dem Schriftweg – Auskunft über die Entstehungsgeschichte der Neapolitanischen Saga, ihre Schreibgewohnheiten und über literarische Traditionen, aber auch über ihre Ansichten zur Weinstein-Affäre, die #metoo-Bewegung und einen neuen Feminismus.
Das Interview haben wir für Sie in voller Länge übersetzt »

 

L'Obs_Ferrante-Interview

Die Arbeit am Roman über Lila und Lenù begann bereits 2009, berichtet Ferrante im Interview. Die Saga habe sie damals nicht bewusst als Tetralogie angelegt, die Aufteilung des Textes in vier Bände habe sich vielmehr aus dem Textumfang ergeben. Den Schreibprozess beschreibt Ferrante als vergleichsweise problemlos: Am Ende gab es »keine Krise, keine Zweifel und sehr wenige Kürzungen, nur ein paar Veränderungen und eine Lawine von Einfügungen.«
Erneut betont die Schriftstellerin, dass ihr Schreiben vor allem von den Lektüren ihrer Jugend – wie etwa den Romanen von Gustave Flaubert, Elsa Morante und Marguerite Duras – beeinflusst sei. Ob es sich dabei um Literatur von Autoren oder Autorinnen handelte, spielte für sie keine Rolle:

»Als Kind habe ich alles gelesen, in keiner bestimmten Reihenfolge und ohne auf den Namen des Autors zu achten, es war mir egal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte.«

Auf die Frage, ob es eine weibliche Art zu Schreiben gebe, erklärt Ferrante: »Natürlich gibt es die écriture féminine. Aber es gibt sie vor allem deswegen, weil das Schreiben stark von dem historisch-kulturellen Konstrukt des Geschlechts konditioniert ist.« In einer von großen Umbrüchen geprägten Zeit wie der gegenwärtigen laufe der Geschlechterdiskurs Gefahr, nicht nur wenig überzeugend zu sein, sondern sich auch auf ein fragiles Fundament zu stellen.

Thematisiert wurde im Interview zudem die Weinstein-Affäre in Hollywood und die daraus entstandene #metoo-Protestbewegung. Ferrante gibt an, keinen großen Unterschied zwischen den Frauen des neapolitanischen Viertels und den Hollywoodschauspielerinnen zu sehen:

»Ich glaube, dass die Weinstein-Affäre das sichtbar gemacht hat, was die Frauen schon immer wussten und schon immer mehr oder weniger verschwiegen haben. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist auch im Westen die patriarchale Dominanz noch fest verankert: Wir alle machen diese Erfahrung an unterschiedlichsten Orten und in unterschiedlichsten Ausformungen, indem wir tagtäglich die Erniedrigung aushalten […].«

In den vergangenen Jahren habe sich unter den jüngeren Frauengenerationen eine gewisse Verachtung für den Feminismus ihrer Mütter und Großmütter breitgemacht, so Ferrante. Sie hoffe jedoch, »dass sich die Dinge ändern werden, dass diese Frauen einsehen, dass wir uns seit Jahrtausenden in einer unterlegenen Position befinden und dass der Kampf weitergeführt werden muss.«

Eine Fortsetzung der Neapolitanischen Saga dürfen Ferrantes Leserinnen und Leser übrigens nicht erwarten:

»Die Geschichte von Lila und Lenù ist vorbei. Aber ich habe andere Geschichten im Kopf und ich hoffe, dass ich sie werde aufschreiben können. Ob ich sie publizieren werde, weiß ich nicht.«

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