Frantumaglia-Rezension im Freitag: »Der Atem wird zu Feuer«

In der Wochenzeitung der Freitag hat sich der Journalist Michael Jäger eingehend mit Elena Ferrantes neuem Buch Frantumaglia beschäftigt. In seinem Text »Der Atem wird zu Feuer« zieht er anhand von Frantumaglia Parallelen zwischen Ferrantes Schreiben und der griechischen Mythologie, aber auch zu Dostojewskis Romanen, die ganz ähnlich auf unerträgliche Dinge hin angelegt seien.

Ferrantes Frantumaglia, ein »Splitter- oder Scherbenhaufen in actu«, wie Jäger schreibt, ermögliche es den Leserinnen und Lesern nun, anhand von Werkstattdokumenten tiefe Einblicke in die Entstehungsgeschichte von Ferrantes Büchern zu gewinnen, deren Grundstrukturen sich überschnitten: In Frantumaglia wimmele es laut Jäger vor »der genialen Freundin«, Hinweise und Verbindungen zu früheren Romanen Ferrantes kreisten immer wieder um das gleiche Thema:

»Was da zerbrochen ist, ohne je zusammengefügt gewesen zu sein, ist das Verhältnis der Tochter zur Mutter. Wenn man das begriffen hat […] nimmt man die Amica geniale ganz anders wahr.«

Jäger stellt dabei die Vermutung auf, Ferrante verfolge das Ziel, sich mit ihrem Schreiben der Wahrhaftigkeit dieses zersplitterten Mutter-Tochter-Verhältnisses anzunähern und verschiedene Konstellationen und Modelle literarisch zu durchlaufen. So schreibt er:

»Man könnte sagen, Ferrante schreibe ihre Romane, wie Anton Bruckner seine Symphonien komponiert hat, so nämlich, als mache der Komponist immer neue Anläufe, seiner wahren, einen und einzigen Version auf die Spur zu kommen.«

In der Mutter-Tochter-Beziehung werde unterdessen der Tochter allmählich vor Augen geführt, wie die Mutter sich, der männlichen Macht unterworfen, in der Position der Subalternität befinde – und in dieser die alte Ohnmacht hervortreten lasse, in der es nicht gelungen sei, patriarchalische Strukturen ein Stück weit zurückzudrängen. Trotzdem wendeten sich Ferrantes Romane nicht von der Mutter ab, meint Jäger:

»Ferrantes Romane sind […] ein Plädoyer für Solidarität, also dafür, sich von der eigenen Geschichte nicht zu verabschieden.«

Ferrante schreibe, so Jäger, sie habe in all ihren Romanen von modernen Frauen erzählen wollen, die zunächst in Übereinstimmung mit sich und der Welt zu leben glauben – bis es dann plötzlich einen Vorfall gibt, ein möglicherweise tragisches Ereignis, welches die Frantumaglia, laut Jäger vielleicht selbst ein »Magma«, hervorbrechen lässt, an dem die Frauen zwar zu zerbrechen drohen, jedoch kraft ihrer Modernität niemals daran zugrunde gehen.

Die vollständige Besprechung von Michael Jäger können Sie hier » nachlesen.

Auch zur Neapolitanischen Saga hat Jäger schon einen ausführlichen, vierteiligen Essay verfasst, welchen wir hier » für Sie zusammengefasst haben

SCHLAGWÖRTER: #FerranteFever
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